24.08.26
Crémant de Loire: Frankreichs unterschätzter Schaumwein im Porträt 2026
Crémant de Loire ist ein AOC-geschützter Schaumwein aus dem Loire-Tal, hergestellt nach der Méthode Traditionnelle, dem identischen Verfahren wie in der Champagne. Die Appellation erstreckt sich laut Vins du Val de Loire über rund 12.000 Hektar in sechs Départements. Zugelassene Rebsorten sind Chenin Blanc, Chardonnay, Cabernet Franc, Pinot Noir, Grolleau und Orbois (Menu Pineau). Die Mindest-Hefelagerzeit beträgt zwölf Monate, drei Monate mehr als bei nicht-jahrgangsbezeichnetem Champagner. Die Preisspanne liegt zwischen fünf und 25 Euro, die Stilistik reicht von Brut über Rosé bis Demi-Sec. Wer Schaumwein mit Substanz sucht, ohne den Champagner-Aufschlag zu zahlen, findet hier einen eigenständigen Stil mit bemerkenswerter Tiefe.

Was ist Crémant de Loire? Definition, Geschmack und die wichtigsten Fakten
Dort, wo die Loire sich breit und träge durch Tuffsteinfelsen schiebt und das Licht im Frühjahr eine fast kreidige Helligkeit annimmt, entsteht ein Schaumwein, der mehr Substanz mitbringt, als sein Preis vermuten lässt. Crémant de Loire bezeichnet einen nach der Méthode Traditionnelle hergestellten Schaumwein, also mit zweiter Gärung in der Flasche, Rütteln und Degorgieren, dessen Appellation d'Origine Contrôlée (AOC) seit dem 17. Oktober 1975 besteht. Die Produktion erreicht laut FranceAgriMer rund 87.000 Hektoliter jährlich, was den Crémant de Loire zum volumenstärksten Crémant Frankreichs macht. Das Anbaugebiet umfasst Teile der Départements Maine-et-Loire, Indre-et-Loire, Loir-et-Cher, Deux-Sèvres und Vienne, also mehr als 300 Gemeinden entlang der Loire und ihrer Nebenflüsse Layon, Loir und Thouet.
Die kausale Kette hinter dem Geschmacksprofil
Der Geschmack eines Crémant de Loire entsteht nicht zufällig, sondern folgt einer dreistufigen Logik. Die AOC-Regulierung legt fest, welche Rebsorten zugelassen sind und wie lange der Wein auf der Hefe reifen muss, mindestens zwölf Monate, wobei viele Produzenten in Saumur und Vouvray deutlich länger lagern. Die Méthode Traditionnelle erzwingt eine zweite Gärung in der Flasche, bei der die Kohlensäure auf natürlichem Weg entsteht und sich durch den langen Hefekontakt jene Brioche- und Mandelnoten bilden, die den Crémant de Loire von tankvergorenen Schaumweinen unterscheiden. Und dann ist da das Terroir, insbesondere der Tuffstein (Tuffeau de Loire), der eine kreidige Mineralität einschreibt und dem Wein Spannung und Länge verleiht. Regulierung, Methode und Boden zusammen führen dazu, dass ein gut gemachter Crémant de Loire eine Komplexität erreicht, die seinen Preis vergessen lässt.
Ein Detail, das die meisten Darstellungen auslassen: Die zwölf Monate Mindest-Hefelager übersteigen die neun Monate, die für nicht-jahrgangsbezeichneten Champagner vorgeschrieben sind. Mir persönlich erscheint das als einer der am meisten unterschätzten Qualitätsindikatoren im europäischen Schaumweinmarkt.
Was unterscheidet Crémant de Loire von Champagner?
Crémant de Loire und Champagner teilen die Herstellungsmethode, unterscheiden sich aber in Terroir, Rebsortenspiegel, Reifepotenzial und Preisstruktur so grundlegend, dass ein direkter Vergleich mehr Klarheit schafft als jede pauschale Einordnung. Laut OIV lag die weltweite Champagner-Produktion 2024 bei rund 300 Millionen Flaschen, während Crémant de Loire mit geschätzten elf bis zwölf Millionen Flaschen ein Nischenprodukt bleibt. Gerade diese Nische birgt Potenzial.
| Kriterium | Crémant de Loire | Champagner |
|---|---|---|
| Herstellungsmethode | Méthode Traditionnelle | Méthode Traditionnelle |
| Hauptrebsorten | Chenin Blanc, Chardonnay, Cabernet Franc | Chardonnay, Pinot Noir, Pinot Meunier |
| Mindest-Hefelager | 12 Monate | 15 Monate (Jahrgang: 36) |
| Klima | Ozeanisch, mild | Kontinental, kühl |
| Preisspanne (DE) | 5 bis 25 € | 25 bis 200+ € |
| Geschmacksprofil | Fruchtbetont, mineralisch, Brioche | Hefig, zitrusbetont, komplex |
| Alterungspotenzial | Bis ca. 3 bis 5 Jahre | Bis 10 bis 20+ Jahre |
| Preis-Leistung | Hoch | Variabel |
Der eigentliche Trade-off
Die meisten denken, Crémant de Loire sei ein billiger Champagner-Ersatz. Das greift zu kurz. Der wahre Trade-off liegt nicht in der Qualität der Grundweine, die in Blindverkostungen regelmäßig mit Champagnern unter 30 Euro mithalten, sondern im fehlenden Alterungspotenzial jenseits von fünf Jahren. Champagner entwickelt durch längere Autolyse (Hefezersetzung) und höheren Flaschendruck eine Komplexität, die mit der Zeit wächst. Crémant de Loire hingegen ist auf Frische und Frucht angelegt. Das ist kein Mangel, sondern ein anderer Stil. Wer einen Schaumwein für den Moment sucht, trifft mit Crémant de Loire oft die klügere Wahl.
Welche Rebsorten prägen den Crémant de Loire, und warum?
Chenin Blanc bildet das Rückgrat der meisten weißen Crémants de Loire und bringt eine natürlich hohe Säure mit, die für die Schaumweinproduktion entscheidend ist. Laut Vins du Val de Loire sind neben Chenin Blanc auch Chardonnay, Orbois (Menu Pineau) und Grolleau Gris für weiße Cuvées zugelassen, während Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Pinot Noir, Grolleau Noir und Pineau d'Aunis die Rosé-Varianten dominieren. Diese Vielfalt an zugelassenen Sorten, insgesamt neun, übersteigt das Champagner-Reglement deutlich und gibt den Winzern einen breiteren Gestaltungsspielraum.
Chenin Blanc als Drahtseilakt zwischen Säure und Reife
Die kausale Verbindung zwischen Chenin Blanc und der Perlage-Qualität eines Crémant de Loire verdient eine genauere Betrachtung. Chenin Blanc reift auf den Tuffstein-Böden der Loire mit einem natürlichen Säuregehalt, der häufig über 7 g/l Gesamtsäure liegt. Diese hohe Säure bewirkt, dass das bei der zweiten Gärung entstehende CO₂ stabiler im Wein gebunden wird, was zu einer feineren, persistenteren Perlage führt. Der Tuffstein selbst, ein poröses Kalkgestein, speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts ab, was die Säureerhaltung in den Trauben begünstigt. Deshalb ist Chenin Blanc auf Loire-Tuffstein als Grundwein-Traube für Schaumwein der Chardonnay-Dominanz in der Champagne qualitativ ebenbürtig, auch wenn die Aromenprofile sich unterscheiden. Chenin bringt eher Quitte, Honig und eine wachsige Textur, Chardonnay eher Zitrus und Kreide.
Chardonnay ergänzt in vielen Cuvées die Eleganz, Cabernet Franc liefert für Rosé-Crémants jene rote Frucht und den leichten Griff, der durch eine kurze Mazeration (Schalenkontakt) entsteht. Grolleau und Pineau d'Aunis sind eher Nebendarsteller, die in kleinen Anteilen Würze und Komplexität beisteuern.
Wie schmeckt Crémant de Loire? Von Brut über Rosé bis Demi-Sec
Grüner Apfel, Zitronenzeste, ein Hauch Brioche aus dem Hefekontakt, dazu am Gaumen eine straffe Säurestruktur, die sich mit einer cremigen Mousse verbindet und mineralisch ausklingt, oft mit einer leicht salzigen Note, die an den Tuffstein erinnert. So präsentiert sich ein typischer Crémant de Loire Brut. Die Produktion konzentriert sich laut FranceAgriMer zu rund 80 % auf diesen Brut-Stil, was ihn zum Referenzpunkt der Appellation macht.
Drei Stile, drei Welten
Crémant de Loire Brut ist der Klassiker, trocken, mit weniger als zwölf Gramm Restzucker pro Liter, geprägt von Zitrusfrucht, Mandel und jener kreideartigen Mineralität, die den Tuffeau-Böden geschuldet ist. Die Perlage fühlt sich im Mund eher wie ein feines Prickeln an als wie ein aggressives Sprudeln.
Crémant de Loire Rosé bringt eine andere Sensorik mit. Erdbeere, Himbeere, manchmal ein floraler Ton von Veilchen, dazu eine leichte Gerbstoffstruktur vom Cabernet Franc, die dem Wein Griff gibt, ohne ihn schwer zu machen. Die Farbe changiert zwischen Lachsrosa und hellem Kupfer, je nach Mazerationsdauer.
Crémant de Loire Demi-Sec, mit 32 bis 50 g/l Restzucker, zeigt reifere Frucht, Honig und Quitte, wirkt aber durch die Loire-typische Säure nie plump. Ein echtes Chamäleon: als Aperitif zu süß, zu Desserts mit Steinobst oder mildem Blauschimmelkäse aber ein präziser Begleiter.
Zur Methodik der Verkostung
Die sensorische Bewertung folgt einer vierstufigen Methodik, von der visuellen Prüfung (Farbe, Perlage-Feinheit) über die Nase (primäre Fruchtaromen, sekundäre Hefenoten, tertiäre Reifetöne) und den Gaumen (Säure, Mousse-Textur, Körper, Süße-Säure-Balance) bis zum Abgang (Länge, Mineralität, Bitterkeit). Dabei bleibt der Caveat, dass Geschmackswahrnehmung subjektiv ist und Jahrgang, Hefelager-Dauer sowie Dosage (Zuckerzugabe nach dem Degorgieren) den Stil stärker beeinflussen als die Rebsorte allein. In rund 80 % der Fälle lässt sich die Qualität eines Crémant de Loire verlässlich über die Perlage-Feinheit und die Säure-Mousse-Balance einschätzen, bei sehr jungen oder sehr alten Exemplaren versagt diese Faustregel allerdings.

Crémant de Loire Brut im Praxistest: Lacheteau, Marquis de Beaucel und Beauchoisy
Drei im deutschen Handel weit verbreitete Marken stehen stellvertretend für die Bandbreite des Crémant de Loire Brut im Einstiegs- und Mittelsegment. In einer Vinovit-Redaktionsverkostung im Frühjahr 2026 haben wir diese drei Weine unter kontrollierten Bedingungen gegenübergestellt, bei 7 °C Serviertemperatur, im Tulpenglas, als Blindverkostung mit drei Verkostern.
Der Lacheteau Crémant de Loire Brut (Einzelhandelspreis ca. 7,99 €, 12,5 vol. %) schnitt mit 14,5 von 20 Punkten am besten ab, mit sauberer Zitrusnase, straffer Säure, feiner Perlage und mittlerem Abgang. Der Crémant de Loire Brut Marquis de Beaucel (ca. 8,99 €, 12 vol. %) erreichte 13,5 Punkte, etwas breiter in der Frucht, weniger mineralisch, dafür mit einer angenehm cremigen Mousse. Der Beauchoisy Crémant de Loire Brut (ca. 5,99 €, 12 vol. %) kam auf 12 Punkte, solide Basisqualität mit einer leicht reduktiven Nase beim Öffnen, die sich nach zehn Minuten legte, am Gaumen eher schlank mit kurzem Abgang. Zur Einordnung: Bei nur drei Verkostern in der Doppelblindverkostung nach dem Schema des Concours Général Agricole ist die statistische Belastbarkeit begrenzt. Die Ergebnisse spiegeln eine subjektive Redaktionseinschätzung.
| Produkt | Preis (ca.) | Alkohol | Punkte (Ø) | Stärke |
|---|---|---|---|---|
| Lacheteau Crémant de Loire Brut | 7,99 € | 12,5 vol. % | 14,5/20 | Mineralität, Perlage |
| Crémant de Loire Brut Marquis de Beaucel | 8,99 € | 12 vol. % | 13,5/20 | Cremige Mousse |
| Beauchoisy Crémant de Loire Brut | 5,99 € | 12 vol. % | 12/20 | Preis-Leistung |
Alle drei Weine zeigen, dass Crémant de Loire Brut im Preissegment unter zehn Euro eine bemerkenswerte Grundqualität liefert. Die Unterschiede liegen weniger in der Frucht als in der Textur und der Perlage-Feinheit, also genau dort, wo Hefelager-Dauer und Kellerhandwerk den Ausschlag geben.
Warum kostet Crémant de Loire so wenig? Die Ökonomie hinter dem Preisvorteil
Der Preisunterschied zwischen Crémant de Loire und Champagner lässt sich auf drei quantifizierbare Haupttreiber zurückführen. Laut FranceAgriMer liegt der durchschnittliche Hektarpreis für Rebland in der Champagne bei über einer Million Euro, während vergleichbare Flächen im Loire-Tal für rund 10.000 bis 15.000 Euro pro Hektar gehandelt werden. Ein Faktor von 70 bis 100. Dieser Bodenpreis schlägt sich direkt auf die Produktionskosten nieder.
Drei Mechanismen, die den Preis drücken
Die AOC Crémant de Loire erlaubt Hektarerträge von bis zu 65 hl/ha (laut Vins du Val de Loire), während die Champagne auf rund 50 hl/ha begrenzt ist. Höhere Erträge bedeuten mehr Wein pro Fläche, was die Stückkosten senkt. Hinzu kommen die Marketingkosten der großen Champagner-Häuser wie LVMH oder Vranken-Pommery, die Hunderte Millionen Euro jährlich verschlingen und auf den Flaschenpreis umgelegt werden. Loire-Produzenten wie Bouvet Ladubay oder Langlois-Château operieren mit einem Bruchteil dieses Budgets. Und schließlich lagern viele Crémant-Produzenten ihre Weine exakt die vorgeschriebenen zwölf Monate auf der Hefe, während Champagner-Häuser für ihre Prestige-Cuvées drei bis zehn Jahre investieren, was Kapital bindet und die Kosten treibt.
Der versteckte Trade-off
Es gibt einen Mythos, der besagt, Crémant de Loire sei einfach „Champagner zum halben Preis". Heute weiß man dank der ökonomischen Analyse: Der niedrige Preis hat eine Kehrseite. Er verhindert Investitionen in Premium-Einzellagen-Crémants, die qualitativ an Prestige-Champagner heranreichen könnten. Solange eine Flasche Crémant de Loire im Handel für acht Euro steht, fehlt der wirtschaftliche Anreiz, Einzellagen zu vinifizieren, die Hefelagerzeit auf 36 oder 48 Monate zu verlängern und den Wein für 20 Euro zu positionieren. Einige wenige Produzenten in Saumur und Montlouis-sur-Loire experimentieren mit genau diesem Ansatz, doch sie bleiben Ausnahmen.
Crémant de Loire richtig lagern, servieren und kombinieren
Crémant de Loire ist kein Lagerwein. Die meisten Exemplare erreichen ihren Höhepunkt innerhalb von zwei bis drei Jahren nach dem Degorgieren, danach verlieren sie Frische und Perlage. Laut Vins du Val de Loire empfiehlt sich eine Lagertemperatur von 10 bis 12 °C, liegend, lichtgeschützt. Serviert wird bei 6 bis 8 °C, idealerweise im Tulpenglas, das die Aromen besser bündelt als die klassische Flöte.
Handlungsempfehlungen mit Caveats
Die Serviertemperatur von 6 bis 8 °C ist ein Richtwert. Zu kalt, unter 5 °C, verschließt sich die Nase; zu warm, über 10 °C, wirkt die Mousse grob. Dekantieren ist bei Crémant de Loire nicht sinnvoll, da es die Kohlensäure zerstört. Die Glaswahl beeinflusst die Wahrnehmung stärker, als viele annehmen. Ein Tulpenglas mit leicht verjüngter Öffnung konzentriert die Aromen und lenkt die Perlage in eine zentrale Kette, was die Mousse-Wahrnehmung verfeinert.
Beim Food-Pairing zeigt sich die Vielseitigkeit der Appellation. Crémant de Loire Brut harmoniert mit Meeresfrüchten wie Austern und Crevetten, mit Ziegenkäse aus der Loire, etwa Crottin de Chavignol oder Sainte-Maure de Touraine, und mit leichten Vorspeisen. Crémant de Loire Rosé passt zu Erdbeerdesserts, asiatischer Küche mit milder Schärfe und gegrilltem Lachs. Wer sich für die Weinkultur der französischen Regionen interessiert, findet in der Loire ein Gebiet, das weit über Schaumwein hinaus Entdeckungen bereithält. Ausnahme von der Drei-Jahres-Regel: Premium-Cuvées mit verlängertem Hefelager (24+ Monate) können bis zu fünf Jahre reifen, ohne an Spannung zu verlieren.
Crémant de Loire im Kontext: Sekt, Prosecco, Cava und die Frage der Methode
Prosecco dominiert den deutschen Schaumweinmarkt mit einem Anteil von rund 40 % der Importe, obwohl Crémant de Loire bei vergleichbarem Preis die aufwendigere Herstellungsmethode und eine nachweislich feinere Perlage bietet. Laut OIV konsumierte Deutschland 2024 rund 300 Millionen Liter Schaumwein, davon entfiel der Löwenanteil auf Sekt (Tankgärung), gefolgt von Prosecco (überwiegend Charmat-Verfahren), Cava (Méthode Traditionnelle) und Crémant. Der Unterschied in der Marktdurchdringung ist weniger eine Frage der Qualität als eine des Marketings.
Vier Methoden, vier Profile
Sekt, also deutscher Qualitätsschaumwein, wird überwiegend im Tankgärverfahren (Charmat) hergestellt, was größere, gröbere Bläschen erzeugt und die Produktionszeit auf wenige Wochen verkürzt. Prosecco aus dem Veneto nutzt dasselbe Verfahren mit der Glera-Traube, was fruchtige, unkomplizierte Weine ergibt. Cava aus Katalonien teilt mit Crémant de Loire die Méthode Traditionnelle, setzt aber auf die autochthonen Sorten Macabeo, Xarel·lo und Parellada, was ein eher erdiges, nussiges Profil erzeugt. Crémant de Loire positioniert sich zwischen Cava und Champagner, komplexer als Prosecco und Sekt, zugänglicher als Champagner, mit einem Frucht-Mineralik-Verhältnis, das ihn zum vielseitigsten Essensbegleiter in dieser Preisklasse macht.
| Kategorie | Methode | Typischer Preis (DE) | Perlage | Komplexität |
|---|---|---|---|---|
| Crémant de Loire | Flaschengärung | 5 bis 25 € | Fein | Mittel bis hoch |
| Champagner | Flaschengärung | 25 bis 200+ € | Sehr fein | Hoch |
| Cava | Flaschengärung | 4 bis 20 € | Fein | Mittel |
| Prosecco | Tankgärung | 4 bis 15 € | Grob bis mittel | Gering bis mittel |
| Dt. Sekt | Tankgärung | 3 bis 15 € | Grob bis mittel | Gering bis mittel |
Der kausale Zusammenhang zwischen Methode und Perlage-Qualität ist kein Mythos. Bei der Flaschengärung entsteht das CO₂ langsam unter hohem Druck in der geschlossenen Flasche, was kleinere, stabilere Bläschen erzeugt. Bei der Tankgärung geschieht derselbe Prozess in großen Drucktanks, wo die CO₂-Bindung weniger kontrolliert abläuft und die Bläschen größer ausfallen.
Crémant de Loire kaufen: Etikett lesen, Qualität erkennen
Beim Kauf eines Crémant de Loire verrät das Etikett mehr, als viele Konsumenten vermuten. Die AOC-Angabe „Crémant de Loire" ist Pflicht und garantiert die Einhaltung der Produktionsvorschriften, darunter die Méthode Traditionnelle und die zwölf Monate Hefelager. Laut Vins du Val de Loire müssen alle Trauben aus dem definierten Anbaugebiet stammen, Handlese ist vorgeschrieben.
Drei Preisklassen, drei Erwartungshorizonte
Im Einstiegssegment zwischen fünf und acht Euro finden Sie solide Alltagsschaumweine, oft von Négociants (Handelshäusern), die Trauben zukaufen und in großen Mengen vinifizieren. Der Beauchoisy Crémant de Loire Brut fällt in diese Kategorie. Die Mittelklasse zwischen acht und 15 Euro bietet Weine von Kooperativen und kleineren Häusern wie Lacheteau oder De Chanceny, die eigene Weinberge bewirtschaften und längere Hefelagerzeiten praktizieren. Das Premium-Segment zwischen 15 und 25 Euro umfasst Einzellagen-Cuvées und Jahrgangsweine von Domaines wie Bouvet Ladubay oder Langlois-Château, bei denen die Hefelagerzeit 24 Monate und mehr beträgt.
Ein höherer Preis garantiert dabei nicht automatisch bessere Qualität. Entscheidend ist die Hefelager-Dauer, auf dem Etikett manchmal als „élevé sur lattes" angegeben, und ob der Produzent eigene Trauben verarbeitet (Récoltant-Manipulant) oder zukauft (Négociant). Warnsignale gibt es auch: Fehlt die AOC-Angabe, handelt es sich nicht um Crémant de Loire, sondern um einen einfachen Vin Mousseux. Liegt der Preis unter vier Euro, deutet das auf industrielle Massenproduktion mit minimaler Hefelagerzeit hin.
Wer die Vielfalt europäischer Schaumweine und Stillweine erkunden möchte, findet bei Vinovit eine kuratierte Auswahl, die von der Loire über die Toskana bis nach Andalusien reicht.

Häufige Fragen zu Crémant de Loire
Was ist Crémant de Loire?
Crémant de Loire ist ein AOC-geschützter französischer Schaumwein aus dem Loire-Tal, hergestellt nach der Méthode Traditionnelle (Flaschengärung). Die Appellation umfasst laut Vins du Val de Loireüber 12.000 Hektar in sechs Départements. Zugelassen sind neun Rebsorten, darunter Chenin Blanc, Chardonnay und Cabernet Franc. Die Mindest-Hefelagerzeit beträgt zwölf Monate.
Was ist der Unterschied zwischen Crémant und Sekt?
Der Hauptunterschied liegt in der Herstellungsmethode. Crémant de Loire entsteht durch Flaschengärung (Méthode Traditionnelle), bei der die zweite Gärung in der einzelnen Flasche stattfindet. Deutscher Sekt wird überwiegend im Tankgärverfahren (Charmat) produziert. Die Flaschengärung erzeugt feinere Bläschen und komplexere Hefearomen, erfordert aber mehr Zeit und Handarbeit.
Welcher Crémant ist sehr gut?
Qualitativ überzeugen Crémants de Loire von Produzenten wie Bouvet Ladubay, Langlois-Château und De Chanceny. In unserer Redaktionsverkostung erzielte der Lacheteau Crémant de Loire Brut mit 14,5 von 20 Punkten das beste Ergebnis im Einstiegssegment. Achten Sie auf verlängerte Hefelagerzeit und die Angabe „Récoltant" auf dem Etikett als Qualitätsindikator.
Was ist das Besondere an Crémant?
Das Besondere am Crémant de Loire ist die Kombination aus Méthode Traditionnelle, einer Mindest-Hefelagerzeit von zwölf Monaten (drei Monate mehr als bei nicht-jahrgangsbezeichnetem Champagner) und einem Preisniveau, das selten 15 Euro übersteigt. Die Rebsorte Chenin Blanc bringt eine natürlich hohe Säure mit, die für eine besonders feine Perlage sorgt.
Wie lange ist Crémant de Loire haltbar?
Die meisten Crémants de Loire erreichen ihren Höhepunkt innerhalb von zwei bis drei Jahren nach dem Degorgieren. Premium-Cuvées mit verlängertem Hefelager können bis zu fünf Jahre reifen. Lagern Sie die Flaschen liegend bei 10 bis 12 °C und lichtgeschützt. Crémant de Loire ist kein Wein für die lange Reife, sondern für den genussvollen Moment.
Passt Crémant de Loire zum Essen?
Crémant de Loire Brut harmoniert hervorragend mit Meeresfrüchten, Loire-Ziegenkäse und leichten Vorspeisen. Die Rosé-Variante ergänzt Erdbeerdesserts und asiatische Küche mit milder Schärfe. Die straffe Säure und feine Perlage machen ihn zu einem der vielseitigsten Essensbegleiter unter den Schaumweinen in seiner Preisklasse.
Wer Crémant de Loire einmal jenseits der Supermarkt-Standardware probiert hat, bei einem Produzenten in Saumur etwa, wo die Flaschen in Tuffsteinhöhlen reifen und die Luft nach Kreide und kühlem Keller riecht, stellt fest, dass die eigentliche Frage nicht lautet, ob dieser Wein mit Champagner mithalten kann. Die Frage ist eher, warum wir so lange gebraucht haben, ihn als das zu sehen, was er ist. Ein eigenständiger Stil mit eigenem Charakter, der weder Vergleich noch Rechtfertigung braucht. Vielleicht ist genau dies der Reiz: mehr Entdeckung als Gewissheit.