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Weingut

Maitres Vignerons de Vidauban

Maîtres Vignerons de Vidauban – Überarbeitete, klare Fassung

Wer die sanften Hügel um Vidauban durchstreift, spürt schnell: Hier denkt man anders über Wein. Keine Château-Romantik, kein Einzelkämpfertum – sondern eine Philosophie, die Gemeinschaft als Stärke begreift. Die Maîtres Vignerons de Vidauban verkörpern seit 1912 ein Modell, das in Zeiten globaler Weinkonzerne fast anachronistisch wirkt: das Genossenschaftsprinzip. Was zunächst nach Kompromiss klingt, erweist sich als durchdachte Strategie. Kleinere Parzellen bündeln Ressourcen, ohne ihre Eigenart zu verlieren. Das mediterrane Klima der Côtes de Provence trifft hier auf kollektive Präzision, traditionelles Handwerk auf moderne Kellertechnik. Der Besuch im Herzen des Var zeigt: Gemeinschaft kann individuelle Klasse hervorbringen.

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Terroir & Klima – Vidauban als Herzstück der Côtes de Provence

Das Departement Var verbindet mediterrane Konstanz mit geologischer Komplexität. Die 410 Hektar Rebfläche rund um Vidauban profitieren von warmen, trockenen Sommern, milden Wintern und der natürlichen Belüftung des Mistrals, der Pilzkrankheiten minimiert. Triassische Gesteine bilden das Fundament, darüber rötliche Sandsteine, Mergel sowie kalkhaltige Sedimente und Kieselsteine. Diese Böden speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts langsam ab – eine der Ursachen für die charakteristische Mineralität der Weine.

Mit 2.900 Sonnenstunden jährlich erreichen die Trauben eine optimale Phenolreife: jener Punkt, an dem Farbe, Aromen und Tannine in höchster Qualität vorliegen. Die geologische Vielfalt schafft mikroklimatische Unterschiede, die das Profil der Weine prägen. Kieselsteine sorgen für Drainage und Wärmespeicherung, während Mergel Struktur und Lagerpotenzial verleiht. Die Winzer bewirtschaften jede Parzelle entsprechend ihrer geologischen Eigenheit – ein Zusammenspiel aus Natur, Wissen und Präzision.

Geologische Grundlagen und mediterraner Einfluss

Die triassischen Gesteine, rötlichen Sandsteine und sandigen Mergelschichten unter den Reben prägen die robuste Struktur und Mineralität der Weine. Das mediterrane Mikroklima mit maritime Prägung vom Golfe de Saint-Tropez und regelmäßigen Landwinden schafft Temperaturschwankungen, die Säure und Aromatik in Balance halten. Die starke Ausprägung der Phenolreife bildet einen wesentlichen Faktor für die Eleganz der Weine.

Philosophie & Handwerk – Genossenschaftstradition seit 1912

Die Maîtres Vignerons de Vidauban sind ein Beispiel dafür, wie das Genossenschaftsmodell Tradition, Qualität und Effizienz verbindet. Familiengeführte Weinbaubetriebe bündeln Wissen und Ressourcen, um ein gemeinsames Qualitätsverständnis zu verfolgen. Präzision beginnt im Weinberg: Handlese, strenge Selektion und die Konzentration auf optimal reifes Traubenmaterial bilden das Fundament für die Premiumlinien.

Im Keller werden traditionelle Methoden mit moderner Technik kombiniert. Temperaturkontrollierte Gärung bewahrt die Fruchtaromen der mediterranen Rebsorten. Malolaktische Gärung kommt gezielt dort zum Einsatz, wo weichere Strukturen gewünscht sind. Der überwiegende Ausbau im Edelstahl betont Frische; gebrauchte Barriques bringen dezente Komplexität ohne dominante Holzaromen. Das Ergebnis: Weine mit klarer Herkunft und einer stabilen, über Jahrzehnte gewachsenen Handschrift.

Rebsorten und Cuvée-Komposition

Grenache verleiht Fülle, Syrah sorgt für Struktur und Würze, Carignan bringt lebendige Säure. Diese Komposition schafft Tiefe ohne Schwere. Für die Rosés erfolgt ein minimaler Schalenkontakt, oft über das Saignée-Verfahren, das blasse Farben und hohe aromatische Präzision liefert. Niedrige Pressdrücke und kühle Vergärung betonen Frische und Klarheit. Diese präzise Vinifikation definiert den Stil der Genossenschaft, insbesondere in ihren trockenen Rotweinen, die ideale Begleiter der mediterranen Küche sind.

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Stilistik & Sensorik – Charakterprofile der Vidauban-Weine

Die Rotweine zeigen feinkörnige, reife Tannine und Aromen, die stark von der Garrigue geprägt sind: Thymian, Rosmarin und wilde Kräuter. Der ROUBERTAS 2022 steht exemplarisch für diesen Stil. Himbeeren, dunkle Kirschen und kühle Kräuternoten prägen das Bouquet, am Gaumen zeigt er seidige Fülle, lebendige Säure und ein harmonisches, langes Finale. Bei 16–18 °C und nach kurzer Belüftung entfaltet sich sein volles Aromenspektrum.

Im Gegensatz zu kraftbetonten Bordeaux-Cuvées betonen die Weine aus Vidauban Balance und mediterrane Leichtigkeit. Diese Stilistik macht sie ideal für regionale Gerichte wie gegrilltes Lamm, Ratatouille oder gereiften Ziegenkäse.

ROUBERTAS – Flaggschiff der Genossenschaft

ROUBERTAS entsteht aus streng selektierten Parzellen und folgt einem klaren Qualitätsanspruch. Grenache, Syrah und Carignan werden jährlich neu balanciert, abhängig vom Jahrgang. Der Wein zeigt sowohl jung klare Frucht als auch nach drei bis fünf Jahren Reife komplexere Aromen wie Leder, Unterholz und getrocknete Kräuter. Der Name verweist auf lokale Flurnamen und betont die Verwurzelung im Terroir.

Rosé-Tradition der Provence

Rosé aus der Provence folgt seit Jahrhunderten der Philosophie der Eleganz. Der Plaisir Rosé zeigt die typische blasslachsfarbene Tönung, resultierend aus wenigen Stunden Schalenkontakt. Auf die malolaktische Gärung wird bewusst verzichtet, um die frische Säure zu bewahren. Das Aromaprofil reicht von weißen Pfirsichen bis zu Grapefruit – präzise und klar. Ideal als Aperitif oder zu mediterranen Gerichten wie Bouillabaisse, gegrilltem Fisch oder Tapenade.

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Signatur & Entwicklung – Zukunft einer traditionsreichen Genossenschaft

Die Maîtres Vignerons de Vidauban verbinden Tradition und Innovation zu einem zukunftsfähigen Modell. Investitionen fließen in moderne Kellertechnik wie pneumatische Pressen und temperaturkontrollierte Tanks, während im Weinberg auf selektive Handlese und nachhaltige Bodenbearbeitung gesetzt wird. Qualität entsteht hier durch Kontrolle, nicht durch Masse.

ROUBERTAS steht als Signaturwein für die Stärke des Terroirs, während der klassische Provence-Rosé weiter verfeinert wird. Das Genossenschaftsmodell erweist sich als Motor für die Zukunft, weil es individuelle Parzellen verbindet, ohne ihre Identität zu verlieren – ein Ansatz, der im modernen Weinbau zunehmend an Bedeutung gewinnt.