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17.07.25

Mller-Thurgau

Müller-Thurgau: Ursprung, Eigenschaften & Bedeutung der Rebsorte

Müller-Thurgau ist eine der erfolgreichsten Weißweinrebsorten Deutschlands und steht nach dem Riesling an zweiter Stelle der heimischen Weißweinproduktion. Diese 1882 von Professor Hermann Müller aus dem Schweizer Kanton Thurgau gezüchtete Rebsorte entstand ursprünglich aus der Kreuzung von Riesling und Madeleine Royale, nicht wie lange angenommen aus Riesling und Silvaner. Die auch als Rivaner bekannte Sorte produziert charakteristisch fruchtige, blumige Weine mit einem leichten Muskatton und geringer Säure.

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Die Geschichte hinter Müller-Thurgau: ein Botaniker und ein 100 Jahre altes Rätsel

Müller-Thurgau Weinberg mit reifen Trauben, Weinfass und einem Glas Weißwein vor einem Dorf

Müller-Thurgau verdankt seinen Namen Hermann Müller, einem Botaniker aus dem Schweizer Kanton Thurgau, der die Rebe 1882 in Geisenheim züchtete. Die wahre Geschichte dieser Traube ist aber ein kleiner Wissenschaftskrimi, denn über ein Jahrhundert lang wusste niemand genau, wer ihre Eltern waren. Nicht einmal ihr Schöpfer.

1882 kreuzte Müller an der Forschungsanstalt Geisenheim im Rheingau systematisch Reben. Sein Ziel: eine Sorte, die die feine Aromatik des Rieslings mit einer früheren Reife verbindet. Eine seiner Neuzüchtungen trug schlicht die Zucht-Nr. 58. Dass ausgerechnet sie zur erfolgreichsten Neuzüchtung der Weingeschichte werden würde, ahnte damals niemand.

Das Rätsel: Müller selbst war sich nicht sicher, welche Eltern-Reben er verwendet hatte. Lange galt die Sorte als Kreuzung aus Riesling und Silvaner, daher bis heute die Namen „Rivaner" und, in der Schweiz, „Riesling-Silvaner". Diese Annahme hielt sich mehr als hundert Jahre.

Erst die Genetik löste den Fall. 1998 schlossen österreichische Wissenschaftler den Silvaner als Elternteil aus. Ein Jahr später identifizierten deutsche Forscher die wahre zweite Mutter: die fast vergessene Tafeltraube Madeleine Royale. 2009 wurde sogar deren Herkunft entschlüsselt, eine Kreuzung aus Pinot und Trollinger. Damit war der Stammbaum nach über einem Jahrhundert endlich vollständig.

Müller erlebte den Aufstieg „seiner" Rebe noch mit. 1891 wechselte er an die Versuchsstation Wädenswil am Zürichsee und nahm 150 Stecklinge mit. Dort wuchs Nr. 58 heran, von dort kehrte sie 1913 als „Müller-Thurgau-Rebe" nach Deutschland zurück. Bis 1975 stieg sie zur meistangebauten Rebsorte des Landes auf. Der Originalrebstock von damals steht bis heute in Wädenswil.

Wie schmeckt Müller-Thurgau?

Nahaufnahme reifer Müller-Thurgau Trauben an der Rebe mit einem Glas hellgelben Weißweins

Müller-Thurgau ergibt leichte, fruchtige Weißweine mit milder Säure und einem typischen, dezenten Muskatton. Im Glas dominieren Aromen von grünem Apfel, Birne und Pfirsich, dazu blütige Noten von Holunder und Akazie. Genau diese unkomplizierte, blumige Art hat die Sorte so beliebt gemacht.

Charakteristisch ist die weiche Säure: Anders als ein Riesling oder Sauvignon Blanc wirkt Müller-Thurgau zugänglich und nie spitz. Sein unverwechselbares Erkennungsmerkmal ist der Muskatton, eine leicht würzige Note, die an Muskatnuss erinnert.

Trocken, halbtrocken oder lieblich?

Müller-Thurgau wird in allen Süßegraden ausgebaut, am häufigsten halbtrocken. Trocken zeigt er sich klar und gradlinig mit 11 bis 12,5 Prozent Alkohol, ein idealer leichter Sommerwein. Halbtrocken harmoniert der zarte Restzucker von etwa 4 bis 12 Gramm pro Liter besonders schön mit der milden Säure. Liebliche Varianten gibt es ebenfalls, sie sind aber seltener. Dank der geringen Säure schmeckt die Sorte in jedem Stil ausgewogen.

Wo wächst Müller-Thurgau?

Weingarten mit Müller-Thurgau-Reben

Müller-Thurgau steht auf über 11.200 Hektar in fast allen deutschen Weinbaugebieten und ist nach dem Riesling die zweitwichtigste Weißweinsorte des Landes. Die größte Fläche bewirtschaftet Rheinhessen mit rund 3.834 Hektar, gefolgt von Baden (2.160 ha), der Pfalz (1.591 ha), Franken (1.375 ha) und der Mosel (743 ha).

Auch international hat sich die Rebe etabliert. In Österreich ist sie nach dem Grünen Veltliner die Nummer zwei unter den Weißweinen, in der Schweiz kennt man sie als Riesling-Silvaner, und auch in Italien, Ungarn und Tschechien wird sie angebaut. Der Grund für die weite Verbreitung liegt in ihrer Genügsamkeit: Sie reift früh, stellt geringe Ansprüche an den Boden und liefert verlässlich gute Erträge, ideal auch für kühlere Lagen mit kurzer Vegetationsperiode.

Wozu passt Müller-Thurgau, und wie serviert man ihn?

Winzer im Müller-Thurgau Weinberg, im Vordergrund ein Glas Weißwein mit Käse und Brot

Gut gekühlt bei 8 bis 10 °C und jung getrunken, idealerweise im ersten Jahr nach der Ernte, spielt Müller-Thurgau seine frische, fruchtige Art am besten aus. Seine milde Säure macht ihn zum unkomplizierten Begleiter für leichte Gerichte. Besonders gut harmoniert er mit:

  • Süßwasserfisch wie Forelle oder Zander, etwa in einer leichten Weißweinsauce
  • hellem Fleisch und Geflügel, zum Beispiel Hähnchen oder Kalbsschnitzel
  • Spargel, Pilzgerichten und Salaten mit Ziegenkäse
  • milder asiatischer Küche wie Sushi oder Thai-Curry mit Kokosmilch

Auch als unkomplizierter Aperitif zu Vorspeisen, Bruschetta oder Frischkäse-Canapés macht er eine gute Figur. Wer die ganze Bandbreite der Sorte probieren möchte, findet eine Auswahl an Müller-Thurgau-Weinen von knochentrocken bis fruchtig-mild.

Häufige Fragen zu Müller-Thurgau

Wie nennt man Müller-Thurgau noch?

Das bekannteste Synonym ist Rivaner, in der Schweiz heißt die Sorte Riesling-Silvaner. Beide Namen gehen auf die lange vermutete und 1998 widerlegte Abstammung von Riesling und Silvaner zurück. Rivaner und Müller-Thurgau sind also dieselbe Rebsorte, nur die Vermarktung unterscheidet sich.

Hat Müller-Thurgau viel Säure?

Nein. Müller-Thurgau hat eine deutlich mildere Säure als Riesling oder Sauvignon Blanc. Gerade diese weiche, zugängliche Art macht ihn als leichten Alltags- und Sommerwein so beliebt.

Wie viel Alkohol hat ein Müller-Thurgau?

Meist zwischen 11 und 12,5 Prozent, gelegentlich bis 13 Prozent. Als früh reifende Sorte bringt er typischerweise moderate Alkoholwerte hervor, was zu seiner Leichtigkeit beiträgt.